Toffee

TOFFEE: Hallo Leute, hier ist eure Toffee. Heute wollen wir mal wieder was Lehrreiches erzählen. Jetzt haben wir fünf Folgen lang von uns erzählt und ihr habt den Oscar kennengelernt und gehört, wie es bei uns am Anfang so lief. Jetzt wird's mal wieder Zeit, Henrys Vermächtnis weiter zu erfüllen, pflichtbewusst-MUIG.

CLARA: Ihr wisst ja, der Henry hat uns gebeten, weiter zu schreiben, wenn er nicht mehr da ist, und den Zweibeinern alles beizubringen, was es über uns Meeris so zu wissen gibt, damit es in Zukunft nur noch gut gehaltene und glückliche Meeris gibt und gar keine Notschweinchen mehr.

OSCAR: Für mich ist das ja noch ganz neu, aufgeregt-MUIG, und ich hab' mir gewünscht, erst mal über ein leckeres Thema zu schreiben, damit ich einen Einstieg in die schlauen Folgen kriege. Und so haben wir uns für Löwenzahn entschieden, weil der total lecker ist und uns jetzt, wo so trübes Wetter ist, an den schönen Sommer erinnert, wehmütig-MUIG.

TOFFEE: Und die Jane hat wieder im Internet recherchiert bis sie ganz rote Augen hatte vor lauter Bildschirmlesen.

CLARA: Äh, Toffee, aber Jane hat doch auch rote Augen, wenn sie nicht gerade surft.


Jane

 TOFFEE: Bist du sicher? Sie recherchiert doch immer gerade irgendwas schlaues.

JANE: Das war übrigens diesmal wieder ganz schön schwierig. Wenn man einmal mit einem Thema anfängt, wird es immer größer und verzweigter. Und die Botanik ist ein ganz schön großes Thema. Und unsere Mama Kerstin war auch ganz schön überrascht, was wir ihr über Löwenzahn so alles erzählen konnten.

CLARA: Hihi-MUIG. Das ist wahr. Sie dachte bisher, dass Löwenzahn die einzige Pflanze ist, die sie immer und überall ganz zuverlässig erkennt. Aber von wegen.

OSCAR: Löwenzahn ist nämlich nicht gleich Löwenzahn. Fang doch mal an zu erzählen, Jane.

JANE: Ihr werdet es nicht glauben, aber es gibt tatsächlich DREI verschiedene Pflanzengattungen, die alle den deutschen Namen Löwenzahn tragen. Die sehen sich zwar ähnlich und sind auch miteinander verwandt, sind aber doch verschieden, schmecken verschieden und haben auch unterschiedliche Inhaltsstoffe. Vom ersten erzählen wir euch heute und von den beiden anderen nächste Woche.

TOFFEE: Das Schöne ist, dass wir alle essen dürfen und dass alle drei Stauden sind. Das heißt, dass sie zwar im Herbst verwelken und im Winter sieht man sie nicht, aber die Wurzel lauert im Boden darauf, dass der Frühling kommt und dann treibt sie wieder aus, freu-MUIG.

CLARA: Ja, ungefähr drei bis vier Jahre lang. Dann ist die Pflanze alt und kommt im nächsten Frühling nicht wieder.

JANE: Das, was wir meistens unter Löwenzahn verstehen und was in unseren Breiten auch am häufigsten vorkommt, heißt mit dem botanischen Namen "Taraxacum". Von dem erzählen wir euch heute.

Dieser Löwenzahn gehört zur Ordnung der Asternartigen, darin zur Familie der Korbblütler und darin zur Unterfamilie der Zichorien. In dieser Unterfamilie ist Taraxacum eine eigene Gattung, die wieder ganz viele Arten hat. Die häufigste Art hierzulande ist der "Gewöhnliche Löwenzahn" oder "Wiesenlöwenzahn", dozier-MUIG.


Taraxacum-Löwenzahn

CLARA: Und dabei ist der Taraxacum-Löwenzahl so vielfältig, dass die Menschen nicht mal wissen, wie viele Arten es davon gibt. Manche sagen, es gibt 400, andere kommen sogar auf 2000 verschiedene Arten! Mann-oh-Mann-MUIG.

TOFFEE: Und alle schmecken genial, jubel-MUIG. Ich würde mich gerne mal durch alle der Reihe nach durchfuttern, sehnsüchtig-MUIG.

OSCAR: Dann kriegst du nie wieder Verdauungsprobleme, weil dieser Löwenzahn eine ganz alte Heilpflanze ist. Der hat nämlich ganz viele Bitterstoffe, die den Stoffwechsel anregen und Verdauungsprobleme beseitigen, indem sie die Sekretion der Verdauungsdrüsen fördern, d.h. die ganze Verdauung und die Galle kommen in Schwung, Blähungen werden beseitigt, er hilft bei Rheuma, Gicht, Nieren-und Blasenleiden und gegen Warzen und chronische Müdigkeit, ist entzündungshemmend und krampflösend und durch den hohen Kaliumgehalt hat er eine harntreibende Wirkung.

Hab' ich das gut gesagt? Hab' ich auswendig gelernt, stolz-MUIG.


Oscar

JANE: Ganz prima, Oscar.

CLARA: Aber man darf nicht zu viel auf einmal davon essen, sonst kriegt man Magen- und Leberschmerzen und Durchfall, weil der Milchsaft im Löwenzahn leicht giftig ist. Das schadet uns aber nicht, wenn wir nicht ganze Berge davon essen.

TOFFEE: Im Gegenteil. Löwenzahn ist total gesund und enthält ganz viel Vitamin C und andere Vitamine, Mineralstoffe wie Eisen und Kalium, außerdem Cholin und Inulin, Kieselsäure und Calcium. Man sagt, dass er das Blut reinigt, besonders als Frühjahrskur. Deshalb sollten wir unbedingt jedes Jahr so eine Löwenzahn-Frühjahrskur machen, schmatz-MUIG.

CLARA: Aber immer schön langsam anfüttern.

JANE: Genau, und weil man von dem Löwenzahn ganz doll pieseln muss, hat er noch ganz viele volkstümliche Namen wie Bettnässer oder Bettseecher. Viele kennen ihn als Hundeblume oder Kuhblume.

TOFFEE: Manche nennen ihn auch Butterblume, weil man früher mit Löwenzahn die Butter schön gelb gefärbt hat. Aber da muss man aufpassen. Es gibt nämlich auch noch den Scharfen Hahnenfuß, der wird auch Butterblume genannt. Der ist aber giftig, den dürfen wir nicht essen, warnend-MUIG.


Links: Löwenzahn (schmatz!)          Rechts: Hahnenfuß  

OSCAR: Die Mama Kerstin hat im Frühjahr versucht, extra für uns diesen Löwenzahn auszusäen. Da ist aber nichts draus geworden. Nur ein paar mickrige Blätter, die nicht wachsen wollten und geblüht hat er auch nicht. Das war ziemlich enttäuschend. Aber inzwischen wissen wir, was sie falsch gemacht hat.

JANE: Ja, sie hat den Löwenzahn in einen großen flachen Bottich auf der Terrasse ausgesät, damit sie bequem ernten kann, ts-ts-ts-MUIG. Aber Löwenzahn hat eine Pfahlwurzel, die kann locker einen Meter lang werden, das wusste die Kerstin nicht. Der wächst praktisch überall, in jeder Ritze und an den unmöglichsten Stellen, aber nach unten braucht er richtig Platz.

CLARA: Deshalb ist es so lächerlich, wenn die Menschen in ihren Gärten versuchen ihn auszustechen mit kleinen Messerchen oder ihren viel zu kurzen Wurzelausstechern. Wenn nur ein kleines Stückchen Wurzel im Boden bleibt, wächst er daraus wieder munter neu, befriedigt-MUIG. Und unsere Kerstin sät für uns nächstes Jahr einfach eine neue Tüte Löwenzahnsamen aus, diesmal auf dem Rasen, freu-MUIG.

TOFFEE: Hoffentlich wird das was. Leute, ihr wisst ja noch, dass wir uns einen Labrador halten, also, die Raven macht ja leider keine Geschäfte in den Garten, weil sie denkt, der gehört noch zur Wohnung...

OSCAR: Was hat denn die Raven mit unserem Löwenzahn zu tun?

JANE: Stickstoff, Oscar. Der Taraxacum-Löwenzahn liebt Stickstoff und wächst am liebsten da, wo ganz viel davon im Boden ist, z.B. auf stark überdüngten Rasenflächen oder an Weg- und Straßenrändern, wo ganz viele Hunde Pipi machen. Deshalb wachsen die größten und schönsten Löwenzähne oft auf ziemlich ekligen Baumscheiben.

OSCAR: Und was hat Pipi mit Stickstoff zu tun, rätsel-MUIG?

CLARA: In Urin ist Harnstoff und Harnstoff ist das Endprodukt des Eiweißstoffwechsels beim Menschen und bei uns Tieren. Er wird in der Leber gebildet und wir Lebewesen scheiden damit überschüssigen Stickstoff aus, den wir als Eiweiß aufgenommen haben, erklär-MUIG. Wenn also die Hunde an die ganzen Wegränder pieseln, dann düngen die dort den Boden mit Stickstoff und der Löwenzahn wächst wie verrückt.

TOFFEE: Aber Löwenzahn nimmt ganz viele Stoffe aus dem Boden auf, deshalb sollen wir keinen Löwenzahn von solchen Pipistellen essen. Ist ja auch unappetitlich, bäh-MUIG.

OSCAR: Das ist aber doof. Die schönsten, dicksten Löwenzahnpüschel sollen wir nicht essen wegen der Hundehinterlassenschaften, aber wo dann kein Pipi ist, wächst nur so murkeliger kleiner Löwenzahn, frustriert-MUIG.

JANE: Das Leben ist halt kein Wunschkonzert, seufz-MUIG. Außerdem sollen wir vor allem die jungen Löwenzahnblätter essen, weil die älteren Blätter viel mehr Oxalsäure enthalten und zuviel davon ist schädlich für uns.


Taraxacum-Löwenzahn

TOFFEE: Sollten wir den Löwenzahn jetzt nicht mal beschreiben?

JANE: Meinst du nicht, jeder weiß, wie der aussieht?

CLARA: Wer weiß, aber wenn wir denken, dass jeder schon alles weiß, brauchen wir ja nichts mehr erzählen.

JANE: OK, zustimmend-MUIG, also, Löwenzahn hat gezähnte Blätter, die in einem Kreis aus der Erde wachsen wie eine Rosette. Die Blätter können total unterschiedlich aussehen, bis ca. 30 cm lang oder ganz kurz, breit oder schmal, mit eckigen oder runden Zähnen oder fast glatten Rändern. Sie können vorne spitz sein oder rund und eher hellgrün oder eher dunkelgrün. Aber obwohl sie so verschieden aussehen können, sind sie so typisch, dass man den Löwenzahn eigentlich immer gut erkennt.


Taraxacum-Löwenzahn

CLARA: Aus der Mitte der Rosette wachsen die Blütenstiele. Die sind glatte Röhren und innen hohl und überall in der Pflanze ist der weiße Milchsaft, der so typisch ist für den Taraxacum-Löwenzahn.

OSCAR: Und oben auf jedem Stiel sitzt ein einzelner Blütenkopf, der bis zu fünf cm Durchmesser haben kann. Da drin sind kreisförmig 200 bis 300 kleine zungenförmige gelbe Blüten angeordnet, die aussehen als würden sie zusammen eine große Blüte bilden, dabei ist jede kleine gelbe Zunge eine vollständige Blüte und die vielen Blüten sitzen zusammen in dem großen grünen Blütenboden wie in einem Korb. Deshalb nennt man den großen Blütenkorb eine Scheinblüte und Löwenzahnpflanzen auch Korbblütler und Zungenblütler.


Taraxacum-Blüte

JANE: Und die große Scheinblüte öffnet sich tagsüber und schließt sich nachts. Außerdem klappt sie zu, wenn es regnet oder zu heiß oder zu trocken ist. Das schützt die vielen kleinen Einzelblüten.

TOFFEE: Und aus jeder kleinen gelben Blütenzunge wird, wenn sie verblüht, eine kleine Frucht mit einem neuen Löwenzahnsamen drin. Aus der Frucht wächst oben ein kleiner Stiel raus, an dem ein kleines Flugschirmchen befestigt ist. Die Früchte sitzen mit ihren Schirmchen rund um den dicken Kopf vom Stängel, so dass es aussieht wie eine weiße Kugel am Stiel. Und wenn dann Wind kommt oder ein Mensch sie anpustet, dann fliegen sie alle los, manche kilometerweit, und landen irgendwo und dort wächst dann aus den Samen neuer Löwenzahn. Juhuu-MUIG.


Taraxacum-Löwenzahn-Pusteblume

CLARA: Deshalb nennt man den Löwenzahn, wenn er so einen kugeligen weißen Kopf hat, auch Pusteblume. Und die Samen sind 10 Jahre lang keimfähig. Da haben auch die nächsten Meerigenerationen noch was von.

JANE: Der Taraxacum-Löwenzahn vermehrt sich außerdem noch so interessant. Wir Tiere und die Menschen haben ja in jeder Zelle zwei Chromosomensätze, einen vom Vater und einen von der Mutter. Das gilt auch für einige Taraxacum-Löwen­zahn­pflanzen.

Der Löwenzahn blüht von ca. Ende März bis Juni, deshalb nennt man ihn auch Frühlingslöwenzahn. Manchmal produziert er aber im Herbst nochmal eine kleine Nachblüte. Er hat total viele Pollen und Nektar und die Bienen freuen sich, weil sie gleich am Anfang der Saison so was feines kriegen.

OSCAR: In den Pollen befinden sich die männlichen Spermienzellen der Pflanze. Und die Bienen tragen die Pollen von Blüte zu Blüte und bestäuben sie. Das heißt, dass sie den Pollen mit den Spermien drin auf das weibliche Blütenorgan der anderen Blüten, das Fruchtblatt mit der weiblichen Eizelle drin, übertragen. Da drin passiert dann die Befruchtung. Jede Pflanze kann aber nur mit Pollen einer anderen Pflanze bestäubt werden, nicht mit ihren eigenen.

TOFFEE: Also ohne Bienen gibt's keine Befruchtung und ohne Befruchtung gibt's später keine Samen und ohne Samen gibt's keinen neuen Löwenzahn. Gut, dass es Bienen gibt.

CLARA: Ja, ohne Bienen würden die meisten Pflanzen in kürzester Zeit aussterben und danach sterben dann die Tiere und die Menschen, weil es nichts mehr zu essen gibt. Deshalb sollten die Menschen viel besser auf die Bienen aufpassen.


Clara

JANE: Ja, aber beim Taraxacum-Löwenzahn sind Bienen nur für die Pflanzen nötig, die wie wir jeweils zwei Chromosomensätze pro Zelle haben. Man sagt, die sind "diploid". Die meisten Taraxacum-Löwenzähne sind aber "triploid", die haben drei Chromosomensätze pro Zelle. Die vermehren sich alleine, indem sie ohne Befruchtung Samen produzieren, aus denen später Klone der Ursprungspflanze werden.

TOFFEE: Ui-MUIG. Wenn ich das könnte, würde ich mich vervierfachen und könnte dann viermal soviel Löwenzahn essen, ach wär' das fein.

JANE: Durch das Klonen verbreiten sich Mutationen total schnell, weil die neuen Pflanzen exakt mit der Mutation kopiert werden. Deshalb gibt es so viele verschieden aussehende Taraxacum-Löwenzähne und die Wissenschaftler streiten sich, ob jetzt jede Mutation eine eigene Art bildet oder alle Löwenzähne nur einer Art angehören, die halt total viele Varianten hat.

CLARA: Ist mir total wurscht, Hauptsache, der Geschmack mutiert nicht weg.

OSCAR: Bestimmt nicht. Der Löwenzahn ist außerdem eine total schlaue Pflanze, die sich total anpassen kann. Wenn man eine Wurzel teilt und die Teile an verschiedenen total unterschiedlichen  Stellen einpflanzt, z.B. auf einer saftigen Wiese, auf einer Schutthalde oder an einem Berghang, dann wachsen aus den Wurzelstücken total verschiedene Pflanzen, weil der Löwenzahn sich perfekt seinen Unweltbedingungen anpasst.

TOFFEE: Deshalb muss man ihn auch ungestört wachsen lassen, damit er viele große saftige Blätter kriegt. Wenn er auf einer Wiese wächst, die dauernd gemäht wird, kriegt er nur winzige Blätter und eine Miniblüte ohne Stiel, damit er sich unter dem Rasenmäher wegducken kann. Was sollen wir denn da essen?


Toffee

JANE: Aber ist das nicht toll, wie schlau Löwenzahn ist, dass er sich sogar vor einem Rasenmäher verstecken kann?

TOFFEE: Es ist ja kein Wunder, dass wir auch so schlau sind, wenn wir so schlaue Pflanzen futtern.

CLARA: Pfffth-MUIG. Dann müssten wir ja auch grün sein, weil wir so viel Gras essen.

OSCAR: Ich bin da ganz Toffees Meinung. Schlau wird man halt schneller als Grün.

JANE: Naja, zweifelnd-MUIG  Ich denke, wir machen für heute Schluss. Nächste Woche erzählen wir dann von den beiden anderen Löwenzähnen.

Keeeeerstiiiiiiinnnn, quiiiiiiiiiiiiieeeeeeeeeek....

KERSTIN-ZWEIBEIN: Hallo ihr Süßen. Dreimal Gurke, einmal Möhre, hier bitte.

OSCAR: Hey, du hast dran gedacht. Prima!

JANE: Danke. Also tschüss dann, mampf schmatz, bis nächste Woche...

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