...Meerschweinchen sind eben Charaktertiere!
Okay, auf den ersten Blick spricht uns Halter sicherlich erst einmal Fellstruktur und Haarfarbe unserer Fellnasen an; der eine mag eben Rosetten gerne, der andere liebt Langhaar, aber es sind doch oft gerade die "Feld-Wald-und Wiesenschweinchen" mit interessantem Charakter, die auf Dauer Spaß machen.
Meerschweinchen sind hochsoziale Tiere und gerade die Interaktion untereinander brauchen sie wie die Luft zum Atmen. Das ist genau das, was sie außer einem abwechslungreichen Gehege mit viel Platz und gutem Futter eben glücklich macht. Klar, es gibt Meeris, die in einer Zweierbeziehung besser zurecht kommen, weil sie vielleicht schon älter oder ruhigere Vertreter sind oder weil sie mit einem Handycap leben müssen, aber die meisten blühen erst ab drei oder noch mehr Tieren richtig auf und zeigen ihr äußerst interessantes Rudelverhalten in seiner ganzen Bandbreite.
Was habe wir Pflegestellen schon für "Angsthasen" in unsere Gruppen aufgenommen! Diese Tiere waren vielleicht einfach vorsichtigere Typen, hatten Defizite im Sozialverhalten oder vielleicht sogar schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht, aber siehe da, in einem zutraulichen Rudel, das beim Anblick seines Zweibeins neugierig am Gitter hängt, taut man doch ganz schnell auf und merkt, dass dieser Zweibein kein "Beutegreifer", sondern ein "Beutebringer" ist...
Auch die andere Version erleben wir öfter, eine "Zimtzicke" die wohl nie richtig "Meerschweinisch" gelernt hat, oder gar noch nie ein Böckchen erlebt hat. Diese Weibchen gehen dann aus lauter Unsicherheit sogar auf einen sehr selbstbewussten Kastraten los, obwohl der eigentlich nur für Ruhe im Rudel sorgen will. Da braucht der arme Kerl alles (eventuell sogar mal einen dezenten Zwicker..), bis die Dame endlich kapiert hat, wer hier auf wen aufreitet...... Danach haben die Weibchen es aber meist gelernt und sind in ein endgültiges Zuhause vermittelbar.
Ja und die echten Kerle, die Machos, die ihr Rudel souverän führen, die machen eine harmonische größere Gruppe erst möglich. Mit nur einer Frau sind sie in der Regel aber weder glücklich noch ausgelastet, also gebt ihnen, was sie brauchen, nämlich mehrere Weibchen...!
Wir Pflegestellen beobachten unsere Schützlinge deshalb genau und geben uns große Mühe bei der Beratung der neuen Halter; es ist eben nicht nur die Fellfarbe, sondern auch der Charakter der Rudelmitglieder wichtig. Oft können wir schon in der Pflegestelle Vorarbeit leisten, indem wir den Tieren die Möglichkeit geben, Defizite im Sozialverhalten aufzuholen oder gar nicht erst Einsamkeit und Frust entstehen zu lassen, indem wir z.B. offensichtlich "zickige" Damen zu starken Kastraten oder Frühkastraten zu neu aufgenommenen Böcken setzen, die dann in Ruhe mit Gesellschaft ihre Kastrationsfrist absitzen können. Und die Jungböckchen lernen derweil von den Älteren.
Aber ganz egal, ob ihr nun einen Hasenfuß oder eine kleine Zimtzicke besitzt -- ob der Kastrat der Boss ist oder die Powerfrau das Sagen hat, wenn die Gruppe harmoniert, ist das ja völlig egal. Spaß machen sie alle und der geduldige Halter wird immer belohnt werden: mit vertrauensvollen Tieren, denen es richtig gut geht!
PS. Und wie man Hasenfüße und Zimtzicken richtig vergesellschaftet, könnt Ihr gerne unter "Download - Vergesellschaftung" auf unserer Homepage nachlesen....

Im größeren Rudel lebt es sich einfach am schönsten....( und der Halter hat immer was zu beoabchten!)
