Vincent hat es leider nicht geschafft. Ich musste ihn sehr schweren Herzens gehen lassen. Als er zu mir kam, standen seine Prognosen schon sehr schlecht, trotzdem kämpfte ich mit ihm, in der Hoffnung, dass alles ein gutes Ende nimmt.
Am Ostermontag zog Vincent, zusammen mit seinem Freund Nico, bei mir ein. Es handelte sich hierbei um einen Notfall, da er zu diesem Zeitpunkt schon zwei Tage nichts mehr gefressen hatte. Es stellte sich heraus, dass er einen sehr großen Abszess an der Backe hatte, zusätzlich noch weitere Knoten, auch im Kinnbereich. Gepäppelt werden konnte er nur in kleinen Schritten, da er schlecht abschluckte. Der Abszess wurde geöffnent, in der Hoffnung, dass dies der Grund dafür gewesen ist, weshalb er nicht fressen konnte. Fressen wollte er, das zeigte er sehr oft. Immer wieder stand er mit beim Gemüseteller und versuchte irgendwie das Futter zu sich zu nehmen, was nicht funktionierte. Durch das Päppeln konnte man zumindest einigermaßen das Gewicht halten. Am Sonntag Nachmittag „würgte“ er nach dem Päppeln das erste Mal. Dies legte sich recht schnell wieder. Am Abend war es so schlimm, dass ich mit ihm zum Nottierarzt fuhr, da er sehr schnell abbaute und ich dachte schon, dass ich ihn nicht wieder mit nach Hause nehmen werde. Dort angekommen hatte er sich einigermaßen wieder stabilisert. Er bekam eine Glucosemischung und Cortison gespritzt. Auch war seine Körpertemperatur auf 35,5°C runter gegangen. Also wurde er warm eingepackt und wieder mit nach Hause genommen. Am nächsten Morgen hatte ich einen Termin bei meiner Tierärztin. Wir waren etwas ratlos. Wir schauten das Mäulchen noch mal genau an und dabei sahen wir, dass sich komische Belege gebildet hatten. Eventuell Abszesse. Wir wollten ihm, da er sich wirklich nicht unterkriegen lassen wollte, noch einmal eine Chance geben. Ich bekam eine Koffeeinlösung mit, zusätzlich eine flüssige Päppellösung. Daheim angekommen, wollte ich ihn erst mal kurz zur Ruhe kommen lassen. Als ich ihn eine Stunde später rausholen wollte, war er sehr schlapp. Es wäre unmöglich gewesen ihm noch irgendeine Medizin ins Mäulchen zu geben. In diesem Moment wusste ich, dass ich ihn gehen lassen muss. Wir haben alle Möglichkeiten ausgeschöpft gehabt und so lange er mit uns kämpfte, konnten wir für ihn kämpfen. Aber irgendwann kommt der Punkt, an welchem man sich verabschieden muss. Ich habe meine Tierärztin aus ihrer Mittagspause geklingelt und ging mit ihm den letzten Weg. Es war schlimm zu sehen, dass er nicht einschlafen wollte. Es dauert sehr lange, bis sein Herzen aufgehört hatte zu schlagen. Er war ein Kämpfer bis zur letzten Sekunde.

