Pflegestelle Mannheim-Wallstadt
Die Halterin von Duncan erfuhr durch Zufall, dass im Tierheim Heppenheim ein einzelner Kastrat saß, der sogar den Spitznamen "Killer-Max" bekommen hatte, da er als unverträglich mit Artgenossen galt. Ein Vermittlungs-Versuch zu einem Weibchen und mehrere Vergesellschaftungsversuche im Tierheim scheiterten, weil Maxim immer gebissen hatte. Aus diesem Grund sollte er aus der Not heraus als Einzeltier vermittelt werden und das obwohl er erst knapp ein Jahr alt ist.... Wir boten unsere Hilfe an und letzten Freitag hat Frau Hübsch Kastrat Maxim netterweise abgeholt und zu mir in die Pflegestelle gebracht. Ich habe ihn dann routinemäßig extra gesetzt und nach der üblichen 3-Tage-kotprobe gab mein Tierarzt heute Morgen grünes Licht und so habe ich Maxim gleich zu meinen Pflege-Weibchen Sanjuli und Emma in einen 4 qm Auslauf gesetzt. Die dritte aus der Gruppe, Rosita, muss im Moment leider erst einen Parasitenbefall auskurieren und sitzt extra. Eine Vergesellschaftung klappt am besten bei viel Platz auf neutralem Boden und mit entsprechenden Unterschlüpfen. Wichtig: alles muss mindestens zwei Eingänge habe, damit das rangniedere Tier verschwinden kann, wenn das dominantere kommt und keine Fenster, damit niemand in Panik stecken bleiben kann. Man legt am besten noch einiges an Futter zum Ablenken dazu und los gehts. Ich bin da mittlerweile hartgesotten und lass die Tiere normalerweise das unter sich ausmachen, aber heute bin ich dann doch erst mal dabei geblieben und habe beobachtet.

Als Pflegestelle nutzt man auch noch den letzten Platz im Schweinchenzimmer
wie man sieht....
Und was passierte Aufregendes? NICHTS !!! Maxim brommselte wie ein ganz normaler junger Macho, rannte den Weibchen hinterher, meine beiden Damen rannten halt mehr oder minder zeternd weg, ansonsten blieb alles völlig harmlos. Wie kann man sich das erklären?
Ich vermute stark, dass das Weibchen, zu dem Maxim vermittelt wurde, nicht wusste, wie man sich einem Kastraten gegenüber verhält und es dadurch zu Problemen bei der VG kam. Wir erleben das immer wieder. Weibchen, die gut sozialisiert sind ( wie meine beiden Kandidatinnen hier), haben mit einem starken Kastraten überhaupt kein Problem, ordnen sich unter und die Sache ist erledigt. Nur wenn das Weibchen eben massiv gegen den Bock angeht (aus Angst oder Unsicherheit z.B), dann kommt es vor, dass ein Bock zurückbeißt und der Dame deutlich sagt, ich bin hier aber der Chef!....Dies ist eigentlich auch normal, aber für die Halter natürlich nur schwer zu ertragen. Auch wir werden immer mal wieder mit diesem Problem konfrontiert. Eigentlich ist es ja eher von Vorteil, wenn ein Kastrat recht dominant ist, dann gibt das bei einer gemischten Gruppe auf Dauer auch keine Zickereien unter den Damen, aber als menschlicher Zuschauer muss man das Geschehen halt auch einordnen und verkraften können. Aus diesem Grund informieren wir unsere Halter sehr ausführlich zu diesem Thema und sind auch während der ersten Zeit immer als Ansprechpartner für sie da.
Heute Nachmittag habe ich die drei übrigens in mein oberes Hochbettgehege gesetzt und auch da blieb es ruhig. Von Zeit zu Zeit gab es die üblichen Brommselgeräusche, aber ansonsten sitzen die drei ganz friedlich beieinander und Maxim schaut ganz glücklich aus und ich glaube fast, er hat mir vorhin zugezwinkert...
Ich bin doch sehr froh, dass ich hier helfen konnte.
Einen ausführlichen Info-Text zum Thema Vergesellschaftung findet man auch in unserem Download-Bereich auf der HP.
