Pflegestelle Frankenthal
Gestern wurde unser Patenschweinchen Vanessa erlöst.
Vanessa kam mit vier anderen Weibchen bei mir an, weil die Besitzerin schwer erkrankte und eine gute Versorgung nicht gewährleistet werden konnte. Dies sah man auch fast allen fünf Schweinchen an, denn drei von ihnen kamen fast kahl an, eins hatte einen 3 x 3cm-großen Knubbel auf dem Rücken und ihr Allgemeinzustand ließ zu wünschen übrig.
Für Vanessa sah es längere Zeit sehr gut aus, die Haare wuchsen langsam nach und ihr Zustand besserte sich von Tag zu Tag. Überraschenderweise starben noch in unseren Pflegestellen Tirza und Sophia und auch Tamara, die eine Blasenstein-OP überstanden hatte, verstarb, einzig Sarah, die laut Halterin die Mutter von Vanessa war, konnte erfolgreich vermittelt werden.
Vanessa sollte eigentlich auch vermittelt werden, als dann auffälligerweise die Haare am Bauch nicht nachwuchsen, sie wenig aktiv war und auch recht dünn blieb trotz Extrarationen. Daraufhin wurde eine Blutuntersuchung durchgeführt, die ergab, dass Vanessa eine Schilddrüsenunterfunktion hat. Sie bekam ein Medikament und hat dieses sogar ganz brav aus der Hand gefressen, als sei es ein Leckerchen. Ob ihr die Tablette geschmeckt hat? Dilaras Widerspenstigkeit bei der Tablettengabe sagt mir etwas anderes…
In der letzten Woche verschlechterte sich Vanessas Zustand plötzlich.
Sie verletzte sich ein Auge, die Hornhaut war eingerissen und das Auge getrübt. Da ihr kleines dünnes Körperchen wohl keine Narkose überstanden hätte, bekam Vanessa eine Augensalbe verschrieben. Und dann am Morgen der Schock: Vanessa hatte ein blutverkrustetes Näschen und während des Päppelbrei-Fressens „kullerte“ etwas kugelförmiges, glasartiges aus dem verletzten Auge heraus. Die Linse.
Das Bemerkenswerte daran war, dass Vanessa davon scheinbar nichts mitbekam, denn sie fraß einfach den Päppelbrei weiter… Ich habe davon Bilder gemacht, bitte schaut es euch nur an, wenn ihr starke Nerven habt: *klick* und *klick*.
Unsere Tierärztin sah sich die kleine Maus an und ich war voller Hoffnung, dass wir Vanessa noch einmal helfen konnten, aber die Tierärztin meinte zu mir, dass sie sie einschläfern würde.
Ich beobachtete Vanessa noch einmal genau und dann wusste ich, dass jeder weitere Schritt, ihr Leben zu verlängern, für sie eine Quälerei bedeuten würde. Sie war wieder dünner geworden und auch nicht mehr so munter und fit wie sonst. Sie hatte sicherlich Schmerzen und es war die richtige Entscheidung, sie gehen zu lassen. Vanessa durfte neben ihrer Freundin Erna einschlafen, mit der sie immer gemeinsam unter einer Weidenbrücke gekuschelt hat.
Vanessa war ein sehr liebes und umgängliches Schweinchen, auch für uns Menschen. Sie hat sich meist problemlos aus dem Gehege nehmen lassen und hat auch die Medikamentengabe und sonstigen „Behandlungen“ ohne Weiteres über sich ergehen lassen. Als ihr Auge dann verletzt war, hatte ich sie aus meiner Gruppe genommen und zur ebenfalls kranken und grade erst verwitweten Erna gesetzt, die nach dem Tod von Heiko alleine war. Sie haben sich von Anfang an gut verstanden, was eher ungewöhnlich für reine Weibchengruppen ist und es war geplant, dass beide wieder einen Kastraten bekommen, der sich um sie kümmern darf. Dazu kam es nun leider nicht, aber die beiden Schweinchen haben sich wohl sehr gemocht und schienen ein Herz und eine Seele zu sein, denn sie lagen immer beieinander, aneinander gekuschelt. Vielleicht wussten sie, dass die jeweils andere krank ist und sie das verband.
Mir ist Vanessa sehr ans Herz gewachsen, eben weil sie so ein liebes und wenig scheues Schweinchen war. Mir fiel sehr schwer sie gehen zu lassen, aber ihr zuliebe habe ich für sie entschieden und sie durfte ganz sanft einschlafen.
Machs gut mein kleines Häschen, grüß die Anderen.

