Pflegestelle Frankenthal
Gestern ist Heiko für immer eingeschlafen. Heiko wurde vor meiner Zeit im Verein bei einem Tierpark-Notfall aufgenommen, aus dem auch zufälligerweise Xaver, der Kastrat einer meiner eigenen Gruppen, stammt.
Er war schon einmal vermittelt, dort starb jedoch vor Kurzem das Partnerweibchen und die Haltung wurde schweren Herzens beendet und Heiko wurde wieder zu uns zurück gebracht. Leider sind seine unteren Vorderzähne ein Stück weit auseinander gewesen, vermutlich durch einen unglücklich Unfall, aber er war bereits in ärztlicher Behandlung und hatte keinerlei Probleme. Bei mir angekommen, habe ich die Zähne aber sicherheitshalber durch meine Tierärztin abklären lassen und dummerweise hatte sich das Zahnfach des einen unteren Zahns entzündet. Der Zahn musste gezogen werden und bis es soweit war, musste er Antibiotika gespritzt bekommen. Ich habe schon einige Patienten gehabt, die Spritzen bekommen mussten, aber keiner hat sich bisher so „angestellt“ wie Heiko. Er hat jedes Mal so gezappelt oder im letzten Moment dann nochmal kräftig gezuckt, dass mein Mann ihn jedes Mal festhalten musste.
Dann, am 16. Januar, kam der Tag der Operation und ich habe ihm die Daumen auch dafür gedrückt, dass wirklich nur der eine untere Zahn gezogen werden musste und der andere nicht derart in Mitleidenschaft gezogen wurde, dass er auch raus musste. Denn mit noch einem unteren Zahn können Meerschweinchen im besten Fall ohne regelmäßige Zahnkorrektur leben und eine Vermittelbarkeit wäre nicht von vornherein ausgeschlossen. Und er hatte Glück, es musste nur ein Zahn gezogen werden und er hat die Operation gut verkraftet.
Hier ist ein Foto des gezogenen Zahns:

Jetzt musste eigentlich nur noch die Wunde im Mund verheilen und sich die Zähne so gleichmäßig wie möglich abnutzen.
Doch leider kam es anders. Letzten Sonntag bekamen Erna und Heiko flüssigen, übel riechenden Durchfall. Zum Glück hatte ich Montag sowieso einen Kontrolltermin und die Untersuchung ergab Kokzidien. Woher hatten die beiden denn das nun? Kokzidien kann man sich durch ein infiziertes Tier einschleppen oder auch durch Frischfutter. Woher auch immer, glücklicherweise hatte kein anderes Schwein aus den anderen Gruppen Durchfall und so mussten nur diese beiden, die zu zweit zusammen lebten, behandelt werden.
Dann hat Heiko jedoch das Fressen eingestellt. Ich habe ihn gepäppelt, aber er wollte den Brei nicht freiwillig futtern, so musste ich ihn zwangsernähren. Aber auch dagegen hat er sich gewehrt und nur mühsam bekam ich etwas in ihn herein. Mittwoch hat er dann doch „mitgemacht“ und ich war sehr optimistisch und glücklich, denn auch der Kot war schon wieder auf dem Weg zum Normalsein.
Gestern abend wollte er dann gar nichts mehr und hat nicht einmal mehr gekaut, sodass ich gar nichts mehr in ihn hineinbekommen habe. Um seine Verdauung anzuregen, habe ich ihm seinen Bauch massiert, und dabei habe ich ihm auch Urin ausmassiert, zuerst flüssig und rötlich gefärbt, dann weißlich und fast wie Joghurt; vermutlich Blasenschlamm, der ihm das Urinieren erschwert hat. Vielleicht war das der Grund, warum er nicht mehr fressen wollte…?!
Sein Zustand wurde von Minute zu Minute schlechter und er konnte schon nicht mehr sitzen.
Ich wusste, dies waren seine letzten Minuten und ich habe mich dagegen entschieden, mit ihm zu einem Notdienst zu fahren, der vermutlich wenig Ahnung von Meerschweinchen hat und innerhalb kurzer Zeit die „richtige“ Behandlung für Heiko findet. Vielleicht wäre er auch schon auf der Fahrt dorthin eingeschlafen, allein, in Eile, in der Transportbox. Stattdessen habe ich ihn zu seiner Erna gesetzt, damit er in gewohnter Umgebung seine letzten Atemzüge machen darf.
Eigentlich wollte ich einen News-Bericht mit einem Foto von seinem gezogenen Zahn schreiben, als Heiko die OP so gut verkraftet hatte, dies hatte ich jedoch aus Zeitgründen nicht geschafft. Dann hatte ich mir vorgenommen, den Bericht zu schreiben, wenn Heiko alles überstanden hätte und nun ist es soweit. Er hat es überstanden, aber leider anders als ich gehofft, gewünscht, gedacht und darum gekämpft hatte.
Lieber Heiko, ich hätte dir so gern ein schönes weiteres Leben gegönnt und habe mein Möglichstes gegeben, aber es hat nicht gereicht. Machs gut, dort wo du nun bist und keine Schmerzen mehr haben musst.

