Die Mitarbeiterin führte die Familie zu den Getreide-Knabberstangen und bunten Drops und gab sie der Mutter in die Hand. Da konnte ich nicht anders und musste mich einmischen: „Aber Getreide ist doch für Meerscheinchen gar nicht geeignet!" entgegnete ich von hinten und alle drehten sich mit großen Augen um. „Ich bin in zwei Tierschutzvereinen für Meerschweinchen tätig und Getreide verändert den pH-Wert im Darm! Meerschweinchen dürfen kein Getreide fressen!" Die Mutter war sehr interessiert und fragte mich gleich: „Was würden Sie denn empfehlen?" Ich erläuterte zuerst, dass Meerschweinchen Heu, Heu und nochmals Heu brauchen und dann ca. 150g pro Tier und Tag Frischfutter in Form von Gemüse. „Gemüse???" Das hatte die Mutter vorher noch nie gehört.
Ich hinterfragte wie viele Meerschweinchen sie denn hätten, wie alt sie seien und wie groß der Käfig sei. Es stellte sich heraus, dass sie just am nächsten Tag für ihren 8-jährigen Sohn zwei Baby-Weibchen von einem Züchter abholen und in einem 1,20m Käfig halten wollten. Ich erklärte gleich, dass Meerschweinchen keine Kuscheltiere sind, dass sie es gar nicht mögen, hochgehoben und gestreichelt zu werden, da wurden die Augen der Mutter noch größer und der Kiefer klappte runter. Der Junge begriff gar nicht, was ich versuchte, ihm zu erklären.
Danach meinte ich, dass zwei Babys ohne erwachsenes Tier zusammen zu halten auch nicht ideal sei, da ja kein Erzieher dabei ist. Ich versuche immer zum besseren Verständnis menschliche Vergleiche heranzuziehen und meinte zu der Mutter, dass sie ihren 8-jährigen Sohn ja auch nicht mit seinem 8-jährigen Freund zusammen alleine in eine Wohngemeinschaft ziehen lassen würde.....
Nur ein Häuschen, Strohpellets und eine Heuraufe aus Metallgitter waren schon in deren Einkaufswagen. Die Mutter war erfreulicherweise sehr daran interessiert was ich wusste und so ergab sich ein einstündiges Beratungsgespräch. Am Ende hatte sie Holzeinstreu anstatt der Pellets im Einkaufswagen, eine Holz-Klappheuraufe statt des Metallgitters, Grainless-Futter anstatt der Knabberstangen und eine Visitenkarte von unserem Verein. Ich hoffe, sie werden noch ein zweites Häuschen kaufen, meine Ausführungen zu Kinder, Meerschweinchen und Kuscheltieren beherzigen und einen größeren Käfig besorgen.
Die Mitarbeiterin war übrigens schon nach den ersten fünf Minuten weitergegangen, ich glaube, sie war froh, hier nicht beraten zu müssen - ich hätte mir gewünscht, sie hätte auch zugehört und so etwas gelernt, denn wenn man es einfach nicht weiß, macht man eben Fehler. Darum ist unser Verein entstanden, um zu beraten, Notmeerschweinchen aufzunehmen, medizinisch von erfahrenen Meerschweinchen-Tierärzten zu versorgen und in gute Hände zu vermitteln.
Liebe Mitglieder und Meerschweinchen-Kundige, es gibt viel zu tun für 2012 
(Ein Bericht von unserer Verena, die bei SOS die Info-Stände bei öffentlichen Veranstaltungen organisiert und betreut, z.B. bei Tierheimfesten.)
